heute (09.06.2010 im Kölner Stadtanzeiger:
Kein Geld für neue Tagesmütter
BETREUUNG Erlaubnis kann nicht ausgestellt werden, weil der Stadt das Personal fehlt
VON HELMUT FRANGENBERG
Der Bedarf an Betreuungsplätzen für unter dreijährige Kinder ist groß. Es gibt Interessierte, die sich als Betreuer ausbilden lassen wollen, und genügend Angebote, wo auf hohem Niveau ausgebildet wird - ein eigentlich perfektes System, wäre da nicht ein Jugendamt, dem es an Personal fehlt. Die städtische Behörde ist für die Zulassung von Tagesmüttern und Tagesvätern und die regelmäßige Überprüfung ihrer Arbeit zuständig. Sechs städtische Mitarbeiter sind damit beschäftigt - und offenbar völlig ausgelastet. "Fehlende personelle Ressourcen in der Fachdienststelle führen dazu, dass zeitnah keine neuen Tagespflegepersonen auf ihre Eignung zur Kindertagespflege überprüft werden können", teilte die Verwaltung am Dienstag im Jugendhilfeausschuss mit. Für Proteste sorgte vor allem der Zusatz: Die weitere Qualifizierung von zusätzlichen Tagespflegepersonen sei somit nicht sinnvoll."
In der Ausschusssitzung versuchte Jugenddezernentin Agnes Klein die Bildungswerke und freien Träger in der Stadt, die Tagesmütter und -väter qualifizieren, ein wenig zu beruhigen: Sie sollten ihre Angebote doch aufrechterhalten. Es gebe positive Signale aus der Finanzverwaltung, dass trotz Haushaltskrise zusätzliches Personal denkbar wäre. Außerdem prüfe man, einige Aufgaben im Rahmen der Qualitätskontrolle an freie Träger abzugeben. Konkretere Zusagen gab es jedoch noch nicht.
Die Stadt baut ihr Betreuungsangebot in schnellem Tempo aus. In diesem Jahr wird bereits eine Versorgungsquote bei Kleinkindern von 23 Prozent erreicht. In NRW sind nur die kleinen Städte Münster und Bonn besser. 20 Prozent des Angebots der sogenannten "U-3-Plätze" sollen Tagesmütter und -väter anbieten. Befürworter der Tagespflege kritisieren immer wieder, dass ihr Angebot gegenüber dem Ausbau des Angebots in Kindertagesstätten benachteiligt werde. Tatsächlich scheint für die Kommunen der Kita-Ausbau nahe liegender, weil hier mehr Zuschüsse vom Land fließen.
